Willkommen zurück zum Teil 2 von meinem persönlichen Zeugnis darüber, wie ich mein Heil all die Jahre meines Lebens falsch verstanden hab. Im heutigen Teil will ich mich vor allem auf Missverständnisse und falsche Gottesbilder konzentrieren, die ich auf meiner Reise mit Jesus erlebt hab
Wie ich im ersten Teil am Ende gesagt hab, bin ich Anfang 2023 einen sehr wichtigen Schritt gegangen.
Und zwar bin ich mit Jesus „all in“ gegangen. Ich meine… ich habe Ihm schon lange zuvor mein Leben gegeben und meine Entscheidung auch immer wieder erneuert. Aber ihm ALLES hinzugeben, auch meine Wünsche und Träume loszulassen – also mit der Vorstellung, dass sie vielleicht nicht Teil Seines Plans sind – das konnte ich bis dahin nicht.
Doch dass ich diesen Schritt gegangen bin, hatte als Auslöser – wie sollte es anders sein? – auch das Erkennen einer bestimmten Wahrheit aus der Bibel.
Kolosser 1:16
„Denn in Ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alles ist durch Ihn und für Ihn geschaffen.“
Was ich verstanden hab, als ich diesen Vers auf der Busheimfahrt von Rumänien gelesen habe, ist dass ich – die ich ja von Gott geschaffen bin – FÜR IHN geschaffen worden bin.
Und dass so wie jeder Hersteller eines Produktes sein „Geschöpf“ am allerbesten kennt – also, was das Produkt pflegt, was es zerstört, aber vor allem für welchen Zweck es gemacht wurde – so kennt Gott als mein Schöpfer mich auch am allerbesten. Er weiß am besten, was mir guttut und schadet. Und er hat mich mit einem bestimmten Zweck geschaffen. Und zwar FÜR IHN zu leben!
Wenn man ein Produkt zweckentfremdet, dann wird man es entweder zerstören, oder es kommt nicht in sein volles Potenzial.
Du kannst Beispielsweise dein Smartphone dazu benutzen, um einen Nagel in die Wand zu klopfen oder es von mir aus als Löffel benutzen, um dir dein Essen in den Mund zu führen, oder um dein Essen in der Pfanne umrühren.
Manches davon funktioniert und würde es nicht mal kaputt (sofort) machen. Wenn du es aber in eine Soße tunkst, um die Soße umzurühren, wird die Flüssigkeit, die eindringt, die Elektronik kaputt machen und dann wird es nie mehr seinen eigentlichen Zweck erfüllen können. Außer es wird repariert. So manche Teile würden dabei aber sogar komplett ersetzt werden müssen.
Auf jeden Fall wird es durch all die Handlungen, die ich dir jetzt aufgezählt hab, niemals sein volles Potenzial – wofür es eben gemacht wurde – ausfüllen können. Ich hab das Smartphone als Beispiel genommen, weil es ein recht komplexes Gerät ist.
Du und ich sind auch komplex aufgebaut. Wir bestehen nicht nur aus Körper, Geist und Seele… sondern jeder einzelne dieser Parts ist auch wieder komplex in seiner Funktion und den Wirkungen. Also unser Körper, unser Geist und unsere Seele.
Unser Geist ist ohne, dass wir wiedergeboren sind tot. Und somit nicht in der Lage, gut mit Gott zu kommunizieren. Die Verbindung zu ihm ist dauerhaft gestört und gesund. Unser Körper ist sehr empfindlich, voller Details, er ist zerbrechlich und es gibt so viel, was nicht intakt laufen kann. Und unsere Seele, in der unser Denken, unsere Gefühle und unsere ganze Persönlichkeit drin wohnt, ist total hin- und hergeworfen von dem, was um uns herum und in uns passiert. Davon, womit wir uns füllen, was uns beeinflusst und davon, ob wir uns vom Geist oder vom Fleisch leiten lassen.
Ich will die Beschreibung von unserem menschlichen Aufbau, wie Gott uns geschaffen hat hier möglichst überschaubar halten und nicht noch tiefer drauf eingehen.
Der Hauptpunkt, den ich hier nur versuche, rüberzubringen, ist halt, dass wir eben auf jeden Fall sehr komplexe Wesen sind. Geschaffen von einem Gott, der so viel größer ist als wir und der nur allein weiß, wie wir unser wahres Glück finden können. Und wie wir in unser volles Potenzial hineinwachsen und es ausfüllen können.
Und Tatsache ist auch, dass wir meinen uns zu kennen, und zu wissen was das Beste für uns ist, was uns gut tut, was uns nicht gut tut, und dementsprechend genau danach handeln. Dass wir uns in Wahrheit aber nicht gut kennen, weil wir uns nicht geschaffen haben und nicht wirklich wissen, wie wir funktionieren.
Tja… und dann machen wir uns Pläne und jagen Zielen nach. Gehen Beziehungen ein, die uns zerstören oder für die wir uns verbiegen und gar nicht wir selbst sein können. Oder wir gehen nach eigenem Gutdünken auf bestimmte Weise mit Menschen um. Meinen es eigentlich gut und verletzen sie dabei… manchmal sogar sehr stark… mit langfristigen Folgen.
Weil wir weder wissen, wie wir funktionieren, noch wie sie funktionieren.
Aber Gott – der jeden einzelnen Menschen geschaffen hat – kennt nicht nur den Menschen allgemein sehr gut, sondern jeden einzelnen persönlich. Tief und vollständig. In seiner ganzen Komplexität. Er weiß, wie und von was der Mensch geprägt worden ist, welche Lügen er durch seine bisherigen Erfahrungen über sich glaubt und welchen selbstzerstörerischen Handlungen er nachgeht… oder auch Handlungen, die andere zerstören, nur weil er sich vielleicht schützen will.
Oder, dass die Person anderen Menschen mit einer bestimmten Handlung bereits bisher immer eine Freude gemacht hat, aber die 30. Person sich durch diese gutgemeinte Handlung getriggert fühlt, weil sie mit derselben Handlung vielleicht Missbrauch oder Manipulation erlebt hat.
Die wichtigste Tatsache ist, zu verstehen, dass wir nur mit Gott – und wenn wir unseren Zweck ausleben, den Er uns gegeben hat – ein wahrhaft und vollständig erfülltes Leben leben werden. Dass wir außerdem nur in Verbindung mit Ihm und unter Seiner Leitung in unser volles Potenzial reinwachsen können. Und zwar mit dem Bewusstsein, dass er uns WIRKLICH LIEBT.
Ansonsten werden wir immer einem Ziel nach dem anderen nachrennen, das uns nach einer gewissen Weile wieder weiterhin suchend und mit einem Loch im Herzen hinterlässt.
Ich habe eingesehen, dass ich niemals diese Fülle und Tiefe erleben würde, wenn ich Jesus nicht alles hingebe und in der Zukunft nicht mehr halb für mich, halb für Ihn, sondern ganz für Ihn leben werde.
Was darauf folgte, war eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Meine Beziehung zu Gott war soo wunderschön und ich wusste nicht, wohin mit meiner Freude und Fülle. Ich bereute, diese Entscheidung nicht schon viel früher getroffen zu haben. Ich wurde frei von vielen Kämpfen und ich hatte das Gefühl, dass ich fast nicht mehr mit Sünden zu kämpfen habe.
Meine Denkweise, was Erlösung, Heil und den Aspekt Sünde betrifft, hatte ich bis dahin aber noch nicht abgelegt. Deshalb war ich auch sehr zufrieden, weil ich mich endlich angekommen gefühlt hab. Quasi endlich „in Sicherheit“, weil die Sünde gefühlt fast keine Macht mehr über mich hatte… jetzt wo ich Gott ALLES hingegeben hab.
Das „Kartenhaus“ fing allerdings nach ein paar Wochen an, ein bisschen zu wackeln. Das machte mir etwas Sorgen. Doch Gott hatte mir mit einem übernatürlichen Erlebnis gezeigt und versprochen: Du und ich sind absolut unzertrennlich. Wir sind nun eins. Und daraus habe ich für mich damals geschlossen, dass Gott mir helfen und dafür sorgen wird, dass ich am Ende – wenn er kommt – mich in einer Phase befinden würde, wo „ich die Sünde unter Kontrolle haben“ werde.
Nun, das hat sich bewahrheitet, doch nicht auf die Weise, dass ich keine Sünde mehr ausübe, sondern indem er mir gezeigt hat, dass Gott mir aufgrund des Kreuzes meine Sünde nicht mehr anrechnet. Und uns daher nichts mehr trennen kann.
Doch bevor ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin, gab es noch eine große Zwischenstation: dem Calvinismus, bzw. auch den Reformierten genannt.
Im Mai 2023 hab ich meine Gemeinde – die ich bis dahin mein ganzes Leben besucht hab – verlassen. Ich habe mich in dieser „Austrittsphase“ Gott sehr nah gefühlt, und dass Er stärker in meinem Leben wirkt und zu mir spricht, als jemals zuvor. Vor allem durch die Bibel und durch Träume.
Es stellte sich später raus, dass ich da an der ein oder anderen Stelle teils große Missverständnisse hatte. Und ja, man kann Gott auch falsch verstehen. Was dazu beiträgt ist z.B. ein falsches Gottesbild – durch das du dann Bibelstellen auch anders interpretierst, als sie ursprünglich gemeint sind. Oder eben die fehlende Erkenntnis darüber, was genau deine Identität in Christus wirklich bedeutet. Und natürlich auch, wenn man Inhalte der Bibel nicht im richtigen Kontext betrachtet.
Wie auch immer… insbesondere durch Missverständnisse von Römer 9 – wenn man sich den Kontext richtig anschaut, geht es in den Kapiteln 9-11 aber klar um Israel – Ja, aber dadurch, dass ich das nicht erkannt habe, bin ich dann sozusagen in die calvinistische Ansichtsweise des Evangeliums reingerutscht.
Eigentlich hab ich Menschen, die so denken, verurteilt: dass Gott manche Menschen zur Erlösung erwählt, andere wiederum nicht und daher hoffnungslos dem ewigen Höllenfeuer ausgeliefert sind, und dann aber angeblich alle gleich liebt. Das kannst du doch vergessen. Das ergibt gar keinen Sinn. Tja… aber was macht man dann mit Stellen, wie z.B. Römer 9:14-18?:
„Was wollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne! Denn zu Mose spricht er: »Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich«. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zum Pharao: »Eben dazu habe ich dich aufstehen lassen, dass ich an dir meine Macht erweise, und dass mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde«. So erbarmt er sich nun, über wen er will, und verstockt, wen er will.“
Und auf einmal hatte ich das Gefühl, dass mir die „Augen geöffnet“ wurden, und endlich nachvollziehen kann, warum Menschen so glauben. Ich beschäftigte mich mehr und mehr mit dieser Theologie. Und ehe ich mich versah, war ich tief drin.
Doch irgendwann kamen Zweifel. Und inneres Hadern mit Gott, wie Er das den Menschen antun kann, die Er nicht erwählt. Wieso hat Er sie denn erschaffen, wenn Er sie doch liebt, und weiß, dass sie ewig leiden werden, weil es keine andere Möglichkeit gibt, gerettet zu werden, als dass Er sie erwählt? Meine alten Fragen sind wieder mehr und mehr hochgekommen.
Außerdem hab ich festgestellt, dass die meisten Reformierten nicht glauben, dass die Geistesgaben heute noch wirksam sind, also dass es Prophetie, Zungenrede und eben die anderen Geistesgaben heute nicht mehr gibt. Jegliche solcher geistlicher Aktivitäten schreiben sie Dämonen zu.
Doch da konnte ich natürlich nicht mitgehen. Ich hab die Geisteswirkungen selbst erlebt. Für mich gab und gibt es bis heute keinen Zweifel, dass Gott auch heute noch auf solche Weise wirkt.
Naja… dementsprechend gab es keine reformierte Gruppe, der ich mich hätte anschließen und wachsen können. Denn, dass der Heilige Geist im Gottesdienst Raum bekommt, war für mich eine der höchsten Prioritäten in einer Gemeinde.
Um die Geschichte der Suche nach einer neuen Gemeinde abzukürzen:
Nachdem ich im Zeitraum von ein paar Wochen verschiedene Gemeinden besucht hab, hat Gott mich klar und eindeutig in meine heutige Gemeinde – das Lifehouse Aldingen – geführt. Und hier durfte ich endlich echte Heilsgewissheit empfangen durch die Lehre, die ich hier gehört habe. Um die Länge dieses Beitrags nicht zu sprengen, möchte ich mein Zeugnis noch in einen dritten splitten.
Im nächsten Beitrag, dem letzten Teil meines Zeugnisses, erzähle ich euch, wie endlich der Durchbruch in meinem Leben Realität wurde. Was das in meiner Beziehung zu Gott grundlegend verändert hat und warum emotionale Erlebnisse damit überhaupt nichts zu tun hatten.