Zwischen Lichterglanz und Stress und Besinnlichkeit – Was ist authentische Weihnachten?

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Wie empfindest du eigentlich die Weihnachtszeit? Besinnlich oder stressig? Schön oder belastend? Oder vielleicht beides?

Vor ca. 2 Wochen habe ich mich mit jemandem über Weihnachten und Dezember ausgetaucht. Und die Person meinte, dass sie den Dezember tatsächlich gar nicht mag, weil es da immer so extrem voll und stressig ist. Man hat so viel zu tun. Und die ganzen schönen Angebote, die ja eigentlich zum Genuss bestimmt sind, werden inmitten dieses Stresses irgendwie zu einer zusätzlichen Belastung. Weil man für diese ja auch noch zeitlich irgendwie „Platz schaffen“ muss.

Ich konnte gut nachvollziehen, was die Person meinte und stimme dem irgendwie auch zu.

Ich fasste dann zusammen, dass ich den Dezember irgendwie als „bitter-sweet“ bezeichnen würde. Denn einerseits sind da die schönen Weihnachtslichter, die einzigartige Atmosphäre, das leckere Gebäck, das es nur zur Weihnachtszeit gibt. Und eben diese besondere, einzigartige Zeit, die es nur einen kurzen Zeitraum im Jahr gibt. Geschenke zu empfangen, findet natürlich auch jeder ganz toll.

Und andererseits ist da eben der Stress, die vielen Veranstaltungen, Besorgungen und viele Aktivitäten für die man Zeit schaffen muss- obwohl der Alltag sowieso schon so voll ist.

Geschenke schön und gut. Aber man muss eben auch so viele Geschenke besorgen, sich Gedanken machen „wem schenke ich was“ und der Geldbeutel wird natürlich auch zu keiner anderen Zeit im Jahr so belastet, wie im Dezember zur Weihnachtszeit.

Doch dann haben wir darüber nachgedacht, dass es eigentlich bei all den Aufgaben, denen wir im Dezember so nachkommen müssen, ja irgendwie genau das tun, worum es an Weihnachten geht: wir beschenken und dienen einander. Liebe in Aktion. Und deshalb ist eine stressige, volle Adventszeit – wenn man es genau betrachtet – in Wirklichkeit einfach authentisch.

Und dann haben wir uns auf das erste Weihnachten besinnt. Das war definitiv auch nicht gemütlich, besinnlich und entspannt. Auch das erste Weihnachten war bitter-sweet.

 

Jesus‘ Eltern – Maria und Joseph – hatten extremen Stress vor der Geburt Jesu. Hochschwanger eine weite Reise antreten müssen. Maximaler Druck, und alles war schwer. Fast schon unzumutbar. Kein Platz in einer Herberge und das Kind kommt in einem schmutzigen Stall zur Welt. Bitter.

Und dann wurde Jesus geboren, das kleine heilige Baby.

Und dann… nach der Aufregung der Geburt wurde alles ruhig und still. Und es wurde eine „stille, heilige Nacht“. Sweet.

Ich möchte jetzt eine Weihnachtsgeschichte vorlesen, die genau diese Message perfekt rüberbringt.

Die Geschichte ist von Helen Lescheid und sie erzählt von einem besonderen Weihnachtsfest aus ihrem Missionarsleben. Ein Weihnachten, das alles andere als gemütlich und glänzend war. Und doch so authentisch, dass sie dieses Weihnachten immer in ganz besonderer Erinnerung haben wird.

 

Unser drittes Kind wurde am 14. Dezember in Nairobi, Kenia, geboren. Wir nannten es Elisabeth Anne. Ich mochte den Namen Elisabeth, der ,,Gott geweiht” bedeutet. Mein Mann fügte Anne hinzu und bemerkte: „Ihre Initialen stehen für ,East Africa'(engl. Ostafrika).“

Das Krankenhaus von Nairobi war sehr modern und wir wurden dort ausgezeichnet versorgt. Normalerweise war nach einer Geburt ein einwöchiger Klinikaufenthalt vorgesehen, doch ich bat den Arzt inständig, er möge mich schon früher nach Hause gehen lassen. Ich versprach, gut auf mich zu achten.

Mein Mann holte mich ab. Unsere anderen zwei Kinder waren auch mitgekommen: die fünfjährige Esther und der dreijährige David. Ehe wir zu unserer Missionsstation in den Aberdares-Bergen zurückkehrten, gingen wir noch einige Stunden einkaufen. Wo wir wohnten, war das nächste Geschäft weit weg, und so hatte ich noch überhaupt keine Weihnachtseinkäufe erledigt. Also lief ich mit einem neugeborenen Baby von Geschäft zu Geschäft und versuchte, schnell ein paar schöne Geschenke für unsere Kinder zu finden. Gut, dass der Arzt nichts davon wusste!

 Als wir mehrere Stunden später nach Hause kamen, war es seltsam ruhig. Alle Missionare waren verreist, um Weihnachten zusammen mit Freunden zu verbringen. Wir waren allein.

Am ersten Weihnachtstag versammelte sich unsere kleine Familie im Wohnzimmer. Während unsere beiden größeren Kinder mit ihrem neuen Spielzeug spielten, stillte ich mein Baby. Ich warf einen flüchtigen Blick auf den spärlich geschmückten Weihnachtsbaum. Da wir keinen Strom hatten, gab es auch keine elektrischen Kerzen. Keine Weihnachtslieder im Radio. Kein lebhaftes Truthahn-Essen mit der Großfamilie am festlich gedeckten Tisch. Auf einmal überwältigte mich ein Gefühl von Einsamkeit. Wie sehr vermisste ich meine Familie in Kanada!

Marias Gebet
Dann dachte ich an Maria. Wie hatte sie sich wohl gefühlt, weit weg von zu Hause, mit einem neugeborenen Baby? Wohin gingen ihre Gedanken? Neun Monate zuvor hatte der Engel Gabriel zu ihr gesagt:“Sei gegrüßt! Du bist beschenkt mit großer Gnade! Der Herr ist mit dir!”(Lukas 1,28)

Wie hätten Sie diese Worte interpretiert? In unserer Kultur, in der alles möglichst angenehm sein soll, denken wir gleich ,Gnade” bedeutet Segen. Gott wird uns vor Schwierigkeiten beschützen, und alles wird gut.

Wenn Maria das erwartet hätte, wäre sie sehr enttäuscht worden, denn das erste Weihnachten war alles andere als angenehm: Politische Unruhe … die römische Regierung unterdrückte das Volk und belastete es mit hohen Steuern. Ein Teenager-Paar, weit weg von Hause, war zusammen mit Fremden auf überfüllten Straßen unterwegs, müde und hungrig.

Kein Platz im Gasthaus. Eine junge Frau in Geburtswehen. Kein Arzt und keine Hebamme in der Nähe. Kein Bett, in das Maria sich legen konnte.

Stellen Sie sich das einmal vor! Ich habe fünf Geburten hinter mir und kann mir nichts Unbequemeres vorstellen, als hochschwanger auf dem Rücken eines Esels zu reiten. Maria bringt Jesus in einem Stall zur Welt. Sie hüllt ihn, so gut es geht, in Tücher und legt ihn in eine Krippe.

Dann dachte ich an das Jesuskind. Wer war das?

„Der Sohn des Höchsten“, hatte der Engel gesagt. ,,Du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden retten.” Selbst er bekam keine Sonderbehandlung.

Ich schloss daraus, dass das erste Weihnachten uns etwas Wichtiges zeigt: Gott verhindert nicht, dass sein auserwähltes Volk Not leidet. Gute Menschen erleben schlimme Dinge. Maria erwartete kein leichtes Leben. Trotzdem blieb ihre Einstellung beständig: “Ich gehöre ganz und gar Gott. Alles geschehe nach seinem Willen. Ich bin bereit, anzunehmen, was auch immer er will”(vgl. Lukas 1,38).

Als ich über all das nachdachte, tat ich mir selbst immer noch ein wenig leid. Ja, aber Maria hatte Engel und Hirten, die Weihnachten für sie zu etwas Besonderem machten, dachte ich. Und wissen Sie, Gott tat auch für uns etwas Besonderes.

Auf einmal klopfte es laut an die Tür. Mein Mann öffnete, und da stand Pastor Benson, der kenianische Pastor einer Gemeinde in der Nähe. Er war gekommen, um uns ,,frohe Weihnachten zu wünschen. Er muss gespürt haben, dass wir uns einsam fühlten, denn er blieb eine ganze Weile. Er war in jenem Jahr unser Weihnachtsengel!

Ich habe oft über dieses Weihnachten in Kenia nachgedacht. Ich hatte nichts von den Dingen, die in meinen Augen zu Weihnachten dazugehören. Und trotzdem war es das authentischste

Weihnachten, das ich je erlebt habe. Es lehrte mich, dass Gottes Gnade seine beständige Gegenwart bedeutet – in guten wie in schlechten Tagen.

Seitdem habe ich Marias Gebet zu meinem eigenen gemacht: „Was auch immer das Leben mir bringt, es ist okay. Ich bin die Magd des Herrn und bin bereit, zu akzeptieren, was auch immer er will.”

 

Ich weiß nicht, wie du die Weihnachtszeit dieses Jahr so erlebt hast. Ob du sie eher als stressig oder als ruhig und besinnlich empfunden hast.

Ich denke, die meisten würden eher der ersten Beschreibung zustimmen: stressig und voll.

Aber ich wünsche dir, dass du in diesem Jahr Weihnachten aus einer ganz neuen Perspektive betrachten kannst: Licht inmitten von Dunkelheit. Stille inmitten von Sturm. Heiligkeit inmitten von Schmerz und Sünde.

Der große, starke Gott, hat sich ganz klein gemacht. Um dir nah zu sein.

Und ich hoffe, dass auch du die Message dahinter verstehst- Gott liebt dich. Sehr. Mit all deinen Fehlern. Er reicht dir die Hand und entscheidet sich, dir nah zu sein. Egal was es ihn kostet. Und das… ist wahre Liebe.

Und genau deshalb stimme ich der berühmten Aussage zu: Weihnachten ist das Fest der Liebe.

Ich wünsche dir eine schöne restliche Adventszeit – es sind ja nur noch paar Tage- und wunderbare Weihnachtsfeiertage.

Ich hoffe, dass du in deinen Kreisen genau das erlebst, was wir feiern: wahre Liebe.

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